Der persische Teppichknüpfer schlägt im Hinterhof der USA durch Venezuela zu

Von Elijah J. Magnier: @ejmalrai

Translated by: M.P.

Iranische Tankschiffe befanden sich 2200 km von den US-Küsten entfernt, als die unter iranischer Flagge fahrende “Fortune” in venezolanische Gewässer einlief und das US-Embargo und die Drohungen der USA herausforderte. Die Islamische Republik sandte klare und laute Botschaften in alle Richtungen.

Die erste Botschaft wurde an die US-Regierung gesandt, nachdem die arabischen Staats- und Regierungschefs der Golfregion eine direkte Botschaft an die iranische Führung übermittelt hatten: “Washington ist entschlossen, die iranischen Tanker, die nach Venezuela fahren, zu stoppen”. Der Iran antwortete auf alle erhaltenen Botschaften, dass “seine fünf Tanker nach Venezuela fahren werden, und wenn einer dieser Tanker abgefangen wird, werde der Iran in der Straße von Hormuz reagieren, im Golf von Oman oder wo immer er es für angebracht hält “.

“Diese fünf Tanker – die Clavel, Fortune, Petunia, Forest und Faxon – sind erst der Anfang der Lieferungen nach Venezuelas. Der Iran hat das Recht, jeden seiner Tanker an jeden Ort der Welt zu schicken, und jedes Abfangen durch die USA wird als ein Akt der Piraterie betrachtet und eine direkte Reaktion auslösen”, sagte ein iranischer Entscheidungsträger, der der US-Regierung die iranische Reaktion durch Nachrichtenübermittler enthüllte.

“Der Iran hatte beschlossen, das Horn von Afrika zu meiden, weil geplant war, dass der erste Tanker die venezolanischen Gewässer am ersten Tag vom Fest des Fastenbrechens erreichen sollte. Das Ziel war es, an einem wichtigen Tag der Islamischen Republik ein Zeichen der Missachtung gegenüber den USA in ihrem Hinterhof zu setzen und die Sanktionen zu brechen, die gegen einen der wichtigsten Verbündeten des Iran verhängt wurden. Es ist eine Botschaft für die ‘Achse des Widerstandes’, dass der Iran seine Freunde und Verbündeten nirgendwo auf der Welt im Stich lässt, welche Herausforderungen auch immer auf ihn zukommen mögen. Er konfrontiert die USA direkt, indem er eine neue Spielregel durchsetzt”, so die Quelle.

Der Iran verschloss seine Ohren vor allen Drohbotschaften der US und wies seine fünf Tanker an, nicht durch das Horn von Afrika herumzufahren, sondern durch den Golf von Aden über die Meerenge Bab al-Mandab, den Suezkanal und Gibraltar in den Atlantik zu fahren – wo die USA eine starke Präsenz und einen starken Einfluss haben. Dies verkürzt die Distanz und stellt die Absichten der amerikanischen Marine auf die Probe. Gleichzeitig informierte der Iran seine Verbündeten über diese Bereitschaft zur Konfrontation mit den USA, falls sich jemals eine Eskalation am Horizont abzeichnen sollte, so dass diese Verbündeten innerhalb der “Achse des Widerstandes” bei Bedarf zu einer breiteren Konfrontation bereit sind.

Der erste iranische Tanker, die “Fortune”, erreichte die Karibische See am ersten Tag von Eid al-Fitr, am Sonntag, dem 24. Mai, mit Schiffen der US-Marine in der Nähe. Die Tanker transportieren über 10 Millionen Barrel Öl, aber auch Alkylat und Ersatzteile, um mit der Reparatur einer der acht “defekten” Raffinerien zu beginnen, damit sich das ölreiche Venezuela in Zukunft selbst versorgen kann. Die US-Sanktionen gegen Venezuela hatten die venezolanischen Raffinerien lahmgelegt und zu Benzinmangel geführt, mit dem Ziel, den rechtmäßig gewählten Präsidenten Nicolas Maduro zu stürzen. 

Der Iran fordert die US-Administration heraus und betrachtet es als einen Sieg, dass sein erstes Tankschiff durchkam, ohne abgefangen zu werden. Teheran hält diese Herausforderung an die US-Autorität für viel bedeutsamer als der Abschuss der raffiniertesten Drohne der USA oder die Bombardierung des größten US-Militärstützpunktes in Ain al-Assad im Irak.

“Unsere Verbündeten haben sich immer gefragt, warum der Iran der US-Dominanz nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht. Tatsächlich haben wir uns auf diesen Tag vorbereitet, und was uns am meisten hilft, sind die US-Sanktionen, die dieses Land auf vielen Ebenen zur Autonomie zwingen. Heute sind der Iran und seine Verbündeten alle mit einer starken Ideologie und Motivation ausgestattet, um der US-Hegemonie entgegenzutreten, und mit einer ausreichend fortgeschrittenen militärischen und finanziellen Unterstützung, um den USA und ihren Verbündeten sowohl im Mittleren Osten als auch außerhalb die Stirn zu bieten. 

Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde die Hegemonie der USA nicht vor eine ähnliche Herausforderung gestellt, wie die, die der Iran repräsentiert, insbesondere wenn der Hauptfeind, die USA, glaubt, dass 40 Jahre Sanktionen und maximaler Druck die Handlungsfähigkeiten des Iran lähmen. Imam Khamenei teilte all unseren Verbündeten mit, dass die militärische und finanzielle Unterstützung für sie zunehmen und ihre Bedürfnisse in Palästina, Libanon, Syrien, Irak und Jemen decken werde. Die Achse des Widerstandes ist jetzt bereit und vereint als eine Front”, so die Quelle.

Venezuela hatte Präsident Wladimir Putin um Hilfe gebeten. Russland sagte deutlich, dass es nicht bereit sei, Schiffe in die Nähe der US-Küste zu schicken, weil dies Präsident Trump unterstützen könnte, indem es eine falsche Drohung auslöst, die zu einer Vereinheitlichung des nationalen Gefühl hinter ihm führen könnte. Aus diesem Grund musste Putin das Ersuchen Venezuelas ablehnen. Der Iran meldete sich auf die erste Forderung hin und war dankbar für die Gelegenheit, die USA herauszufordern und die Unterstützung zurückzuzahlen, die Venezuela im Jahr 2008 angeboten hatte, als der Iran in Not war und unter schweren Sanktionen der USA stand, die den Technologietransfer zum Bau seiner eigenen Raffinerien verbieten. Seitdem hat der Iran 11 Raffinerien gebaut (und 3 weitere in Pars, Anahita und Bahman Geno, befinden sich noch im Bau) und gilt als das drittwichtigste Land der Welt, welches die Gasverflüssigungstechnologie (GTL) entwickelt hat.

Seit die USA Brigadegeneral Qassem Soleimani auf dem Flughafen von Bagdad ermordet haben, hat der Iran den USA neue Einsatzregeln auferlegt. Seine Botschaft besteht in der Unvermeidbarkeit einer Reaktion gegen seine Feinde, wenn diese den Iran treffen, und in der Drohung, dass kein Angriff unbeantwortet bleibt. Es scheint, als sei der Iran nicht mehr bereit, die andere Wange hinzuhalten, und hat beschlossen, besondere Maßnahmen zu ergreifen, um auf jeden Angriff gegen seine Truppen oder Interessen, auch in Syrien, zu reagieren (weitere Einzelheiten werden in einem anderen Artikel erläutert). Darüber hinaus haben der Iran und seine Verbündeten den Grad der Bereitschaft auf ein Höchstmaß angehoben für den Fall, dass die US-Regierung beschließt, irgendeinen Aspekt der iranischen Interessen anzugreifen, insbesondere die Flottille auf dem Weg nach Venezuela.

Der Iran steht den USA nicht direkt gegenüber und bittet seine Verbündeten nicht, die Arbeit in seinem Namen zu übernehmen. Der “Persische Teppichknüpfer” wartete 40 Jahre lang unter Sanktionen auf diesen Tag, bis seine Fähigkeiten und Vorbereitungen abgeschlossen waren. Das bedeutet, dass der Iran nun härter und härter durchgreifen wird und das manifestiert sich in der Wahl des neuen Parlaments und der neuen Regierung. Präsident Trump missbrauchte und schöpfte alle von Präsident Hassan Rouhani gebotenen Möglichkeiten aus. Daher wird jede neue Verhandlung zwischen dem Iran und den USA sehr schwierig sein: Es fehlt jegliches Vertrauen in ein von den USA unterzeichnetes Dokument.

Ob ein Republikaner oder ein Demokrat Ende 2020 in das Weiße Haus einzieht, sie werden viele lange Jahre vor dem Telefon warten müssen, falls sie der Meinung sein sollten, dass der Iran die Initiative ergreift und die USA zu einem Treffen einlädt. Es wird nun an den USA liegen, dem Iran zu beweisen, dass es sich lohnt, überhaupt Verhandlungen zu führen.

Der Iran hat robuste Wurzeln in Afghanistan, Palästina, Libanon, Syrien, Irak und Jemen gelegt. Er breitet sich nun in Richtung Venezuela aus und wird Präsident Maduro dabei unterstützen, sich gegen die Hegemonie und die Sanktionen der USA zu stellen. Es wird erwartet, dass in sehr naher Zukunft weitere Tanker folgen werden. Der Iran ist darauf erpicht, Präsident Trump zu konfrontieren und ihn nur Monate vor den Wahlen in eine Konfrontation zu verleiten. Die Fehlsteuerung seit dem Coronavirus, die Widerlegung der Geschäfte der USA mit Russland, Trumps aggressive Haltung gegenüber China und der Weltgesundheitsorganisation sowie seine Ablehnung des iranischen Atomdeals (JCPOA): All dies sind markante Möglichkeiten für eine Herausforderung seiner Wiederwahl. Deshalb bereitet der Iran weitere Überraschungen für Trump vor – um zu zeigen, dass seine Nahostpolitik sowohl die Sicherheit der USA, ihrer Verbündeten in Europa und im Mittleren Osten als auch die globale Weltsicherheit gefährdet.

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