
Von Elijah J. Magnier –
Was sich derzeit im Südlibanon abspielt, deutet nicht nur auf eine taktische Anpassung hin, sondern auf eine tiefgreifendere doktrinäre Entwicklung auf beiden Seiten des Kriegsschauplatzes. Erste Anzeichen vom Kampfgeschehen zeigen bereits die Kluft zwischen erklärten Zielen und der operativen Realität auf. Israel hat begrenzte Verluste an Offizieren und Dutzende Verwundete bei Zusammenstößen auf libanesischem Gebiet eingeräumt – Zahlen, die zwar in absoluten Zahlen bescheiden sind, aber innerhalb der israelischen Gesellschaft und im militärischen Diskurs ein unverhältnismäßig großes Gewicht haben. Sie untergraben die offizielle Darstellung, dass die Hisbollah entscheidend besiegt worden sei und dass der Südlibanon mühelos durchquert und kontrolliert werden könne. Noch bedeutender ist, dass sie auf eine tiefere Einschränkung hinweisen: Trotz des Einsatzes mehrerer operativer Divisionen ist es den israelischen Streitkräften nicht gelungen, ihre zahlenmäßige Überlegenheit in eine nachhaltige territoriale Kontrolle über mehr als wenige Kilometer hinaus umzusetzen. Innerhalb des Offizierskorps selbst wächst die Erkenntnis, dass sich der Charakter des Kampfes gewandelt hat. Das Modell, die Stellung zu halten als Zeichen des Erfolgs, ist unter diesen Bedingungen nicht mehr tragfähig, und das Verharren im Gelände widerspricht zunehmend sowohl der operativen Logik als auch dem Schutz der Streitkräfte.
Das sich abzeichnende Muster deutet darauf hin, dass der libanesische Widerstand bewusst die traditionelle Logik der statischen Verteidigung aufgegeben hat, das Gelände nicht verteidigt, sondern dessen Stabilisierung verhindert und einen entscheidenden israelischen Erfolg verhindert. Der Wechsel von statischer Verteidigung zu elastischem, verteiltem Gefecht entspricht der Anpassung schwächerer Akteure an überlegene Feuerkraft. In modernen Konflikten geht es weniger um Gelände als vielmehr um anhaltenden operativen Druck. Die israelischen Streitkräfte ihrerseits rücken vor, ohne sich in festen Stellungen konsolidieren zu können, was die gegenseitige Erkenntnis widerspiegelt, dass ein Verharren in einem solchen Umfeld ein unverhältnismäßiges Risiko birgt, selbst wenn hochrangige Offizielle erklärten, ihr Ziel sei die Besetzung des gesamten Südlibanon südlich des Litani-Flusses. Dies ist kein Wettstreit mehr um Linien auf einer Karte. Es ist ein Wettstreit um Tempo, Exposition und Ausdauer. Für Israel erhöht die Zeit die Kosten. Für den Widerstand bestätigt die Zeit die Richtigkeit seiner Strategie.
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