Syrien setzt den Astana-Deal mit Gewalt durch nachdem die türkisch-russischen Spannungen zunehmen

Aleppo, Elijah J. Magnier: @ejmalrai

Translated by: M.P.

Seit 2012 stand die Straße M5 Damaskus-Aleppo unter der Kontrolle dschihadistischer Kräfte. Die syrische Armee hat nun die M5 Damaskus-Aleppo und über 140 Städte, Dörfer und strategische Hügel befreit. Die Türkei und die Usbeken, Uiguren und Hayat Tahrir al-Sham (ehemals al-Nusra) versäumten es, ihre befestigten Stellungen zu schützen, gaben sie auf und zogen sich in das Gebiet um Idlib zurück.

Dies ist das erste Mal, dass die türkische Armee von der syrischen Armee beschossen wird. Fünf türkische Offiziere wurden auf dem Militärflughafen Taftanaz, dem Stützpunkt, den die Türkei und ihre Dschihadisten nutzen, getötet. Ankara war gezwungen, seine eigene Armee auf das Schlachtfeld zu schicken, um die Schwäche seiner dschihadistischen Verbündeten vor Ort auszugleichen.

Die Befreiung der 432 km- M5 von den Dschihadisten wurde in dem im Oktober 2018 unterzeichneten Abkommen von Astana festgeschrieben, eine Bestimmung, die die Türkei seither nicht mehr eingehalten hat. Die syrische Regierung hat seither drei große Fortschritte in Richtung der M5 gemacht, aber diesmal war die Entscheidung, sie zurückzuholen, endgültig. Dies ist eine syrisch-russische Botschaft an Präsident Erdogan, dass die Zeit für Idlib abläuft. Das türkisch-russische Ringen reicht auch über die syrischen Grenzen hinaus. Das zeigt sich auch in der Ukraine und in Libyen, wo die Türkei eine wichtige Rolle anstrebt.

Die Russen versorgen die syrische Armee mit moderner Kriegsausrüstung und Dutzenden von T-90, die der Armee helfen, ihre militärischen Offensiven in der Nacht fortzusetzen. Zusammen mit den Hunderten von Schlägen der russischen Luftwaffe trug dies zur Befreiung des gesamten Gebiets auf der Ostseite der Straße und vieler anderer Gebiete auf der Westseite bei, in denen die militärische Operation fortgesetzt wird. Darüber hinaus bot Russland der syrischen Armee bei dieser erfolgreichen Operation sowie bei der Bombardierung der Dschihadistenlinien und auch hinter ihrer Rückzugsstellung eine beispiellose militärische Aufklärung und Planungsunterstützung an.

Überraschend war die Entdeckung von kilometerlangen unterirdischen Tunneln mit Feldlazaretten, Munition und lebenserhaltenden Gütern, die eine sehr lange Belagerung in allen befreiten Gebieten beiderseits der M5 und in den wichtigsten Städten wie Saraqib und Al-Eis hätten aushalten können. Diese Tunnel waren miteinander verbunden und verbanden Dörfer unter der Erde und einige sogar 20 Meter tief – genug um vor Luftbombardement zu schützen. Die Dschihadisten waren in Eile – sie evakuierten all diese Stellungen und ließen alles zurück.

Die Taktik der syrischen Armee in den letzten Jahren besteht darin, eine Straße für die Dschihadisten offen zu lassen, damit sie sich zurückziehen können, bevor sie sich nähern. Nach der Befreiung von Aleppo vermied die syrische Armee die umliegenden Städte, weil die Dschihadisten von den Massenmedien und ausländischen Interventionisten profitieren, die nicht wollen, dass sich Syrien erholt und vereint. Deshalb wurden die Straßen immer offen gelassen, damit sich die Dschihadisten vor einem endgültigen Angriff zurückziehen konnten.

Die Türkei ist nicht in der Lage, ihre dschihadistischen Verbündeten zu schützen und kann ihnen keine Luftunterstützung anbieten. Russland kontrolliert den syrischen Luftraum, und Damaskus warnte die Türkei davor, dass sie jeden türkischen Jet abschießen würde, der den syrischen Luftraum verletzt.

Es ist eine neue strategische Wende im syrischen Krieg, dass Maarat an-Numan, Saraqib, Tell Al-Ais und Raschidin nun befreit sind. Es ist ein Anzeichen dafür, dass es der Türkei schwer fallen wird, ihre Dschihadisten auf Dauer zu schützen. Die Stabilität Syriens erfordert die Befreiung seines gesamten Territoriums. Die Stabilität Syriens liegt im Interesse Russlands und seiner nationalen Sicherheitsziele. Russland ist in die Levante gegangen, um den Krieg zu beenden. Seine Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Es verfügt über einen großen Marinestützpunkt, der einen einzigartigen Zugang zum Mittelmeer bietet. Es liegt auch im Interesse Russlands, al-Qaida und alle Gruppen, die ihrer Takfiri-Ideologie anhängen, ungeachtet ihrer unterschiedlichen Prioritäten und Namen zu beseitigen. Die Usbeken und uigurischen Dschihadisten in der Levante haben keinen Rückzugsort und es wird erwartet, dass sie bis zum letzten Mann kämpfen.

Die Türkei zeigt Russland ihre Zähne, indem sie sich weigert, die russische Souveränität der Krim anzuerkennen, und der Ukraine 33 Milliarden Dollar in Waffen anbietet. Die Türkei strebt eine effektivere und anerkanntere Rolle in Libyen an, wo die Zentralregierung offiziell um die Unterstützung Ankaras bittet. Die Situation in Syrien ist jedoch anders. Die Türkei weiß, dass ihre Präsenz in Syrien nicht lange dauern kann und dass die Befreiung der Idlib, auch wenn sie heute nicht auf der Tagesordnung steht, bald erfolgen wird. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Die US-Besatzungstruppen haben sich selbst in einem begrenzten Gebiet im Nordosten Syriens in die Enge getrieben, wo sie syrisches Öl stehlen können, wie Präsident Donald Trump verkündete. Diese begrenzte US-Präsenz ist keine Priorität für die syrische Armee. Zuerst wird Idlib befreit werden und dann Afrin. Deshalb versucht die Türkei, ihren Einfluss in Syrien zu stärken und zu stabilisieren. Es fanden vier Treffen zwischen den syrischen Geheimdienstbeamten und ihren türkischen Kollegen auf höchster Ebene statt, um neue Abkommen zu besprechen. Die Türkei will ihr Adana-Abkommen von 1998 mit Syrien ändern, das die türkische militärische Verfolgung der PKK auf syrischem Gebiet regelt. 

Russland und der Iran spielen eine wichtige Rolle bei der Entspannung der türkisch-syrischen Spannungen, aber unter dem Strich geht es um den vollständigen türkischen Rückzug aus Syrien.

Die Türkei hat die S-400 von Russland gekauft, und die Turkstream-Pipeline wurde letzten Monat offiziell in Betrieb genommen, um die russischen Lieferungen über die Ukraine zu reduzieren. Andererseits ist die Türkei auch ein NATO-Verbündeter mit einer mächtigen US-Militärbasis an ihren Grenzen. Die Türkei wird es schwer haben, ein Gleichgewicht zwischen den beiden Supermächten herzustellen und gleichzeitig ihre Dschihadisten in Syrien zu schützen. Die Zeit, in der die Türkei ihre Optionen abwägen muss, ist nah.

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