Sollen die US-Streitkräfte bleiben oder den Nahen Osten verlassen?

Geschrieben von – Elijah J. Magnier:

Übersetzung CHH

Die Frage, ob die US-Streitkräfte im Nahen Osten bleiben  oder abziehen sollen und welchen Preis sie für die Folgen der Entscheidung zahlen müssen, steht im Mittelpunkt der Diskussion. Diese Ansichten sind Ausdruck einer Realität, die die US-Regierung zum ersten Mal ernsthafter und unvoreingenommener betrachtet, vor allem seit klar geworden ist, dass alle Ziele und Ergebnisse, die die USA erreichen wollten, gescheitert sind und zu kontraproduktiven Ergebnissen geführt haben. Die Reduzierung oder der Abzug von Kampftruppen und das Setzen auf Diplomatie sind zwei Schritte, die ausreichen, um die bis heute erzielten Erfolge in einem weniger aggressiven Ansatz zu bewahren. Die Befürchtung vieler westlicher Offizieller ist jedoch, dass ein solcher Schritt als Aufgabe des nahöstlichen Sumpfes interpretiert werden könne und ein Weg für die Feinde und Konkurrenten der USA – China, Russland und Iran – sein könnte, das Vakuum der USA zu übernehmen und zu ersetzen.

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Amerika hat in den letzten zwanzig Jahren direkt oder durch die Unterstützung seiner Verbündeten im Nahen Osten (z.B. der Krieg im Jemen) viele Konflikte ausgetragen, die für die amerikanische Staatskasse sehr kostspielig waren und nicht zu Frieden oder Stabilität geführt haben. Irgendwie erzeugten diese Kriege eine größere Feindseligkeit gegenüber den US-Streitkräften und dem Image der USA. Washington gewann weniger Freunde als erhofft und setzte die in Ländern (Irak, Syrien und Afghanistan) stationierten US-Streitkräfte mehr oder weniger großen Gefahren aus.

Folglich glauben westliche Entscheidungsträger, dass es zwingend notwendig ist, mehrere über den Nahen Osten verteilte Militärbasen zu schließen und unnötige, in befreundeten Golfstaaten stationierte Marineflotten abzuziehen. 

Diese Idee, den Nahen Osten von der US-Militärpräsenz zu befreien, wird von denjenigen abgelehnt, die behaupten, dass die US-Streitkräfte zum Schutz der US-Verbündeten, insbesondere Israels, bleiben müssen. Viele arabische Staaten und Monarchien würden nicht eine Woche ohne die USA überleben, wie der ehemalige Präsident Donald Trump sagte. Diese Monarchien sind die Schützlinge der USA und genießen den US-Schutz vor innerstaatlichen Aufständen und dem Freiheitsbegehren ihrer Bevölkerungen.

Weiterhin wird argumentiert, dass die USA im Nahen Osten gebraucht werden, um Terroranschläge gegen Amerikaner zu unterbinden, um demokratische Übergänge und Menschenrechte zu fördern, um Korruption zu bekämpfen, um humanitäre Hilfe zu leisten, um innerstaatliche militärische Auseinandersetzungen zu beenden, um sicherzustellen, dass es keine Massenvernichtungswaffen mehr gibt, um die Energiegewinnung zu schützen, um Organisationen wie Hamas und Hisbollah die Stirn zu bieten, um zu verhindern, dass der Iran eine Atombombe erhält, um die Abschreckungsmacht aufrecht zu erhalten und um die Freiheit der Schifffahrt in den kritischen Meerengen (Hormuz und Bab al-Mandab) zu gewährleisten.

Die realistische Antwort auf diese Bedenken ist nicht kompliziert. Als die Nachricht von den drei Treffen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien in Bagdad aufkam, herrschte und herrscht noch immer übertriebener Optimismus. Die Bewohner der Region glaubten, dass sich bald eine Lösung für die zahlreichen offenen Probleme und Kriege abzeichnen könnte. Der Iran und Saudi-Arabien waren noch nie in den Flitterwochen. Sie waren jedoch unerklärte Feinde, und die USA nutzten jede Gelegenheit, einen fruchtbaren Boden der Feindseligkeit und des Hasses zwischen den beiden Ländern zu säen, um die Annäherung zu verhindern. Die Treffen im Irak fanden ohne die Anwesenheit eines US-Sponsors, eines Teilnehmers oder eines Vermittlers statt.

Darüber hinaus hat die US-Präsenz im Nahen Osten Israel nicht vor dem kontinuierlichen Bombardement der Hisbollah im Juli 2006 geschützt, noch hat sie die “Hamas” daran gehindert, israelische Gebiete und Städte von Norden nach Süden während der Operation “Schwert von Jerusalem” zu bombardieren. Folglich ist der “Schutz Israels” eine fadenscheinige Ausrede, da die USA Israel mit den gewünschten Waffen beliefern, seine Offiziere mit der neuesten militärischen Ausrüstung ausbilden und nachrichtendienstliche Informationen austauschen, ohne notwendigerweise in geographischer Nähe zu sein.

Was die Notwendigkeit betrifft, im Nahen Osten zu bleiben, um Terroranschläge gegen die USA zu verhindern, führte Präsident Barack Obama die Doktrin und Praxis der Drohnen ein, die die US-Streitkräfte in ihren Kriegen ausgiebig gegen Ziele und gezielt zu tötende Personen einsetzten, die sie beseitigen wollten. Darüber hinaus haben die Erfahrungen im Kampf gegen den Terrorismus bewiesen, dass erst die Zusammenarbeit zwischen den Geheimdiensten verhindert, dass dschihadistische Gruppen Terroranschläge gegen ein Land verüben können. Die Präsenz von 60.000 US-Militärs im Nahen Osten in Dutzenden von Stützpunkten hat weder die terroristischen Bombenanschläge auf die USS Cole im Jahr 2000 und die Zwillingstürme in New York im Jahr 2001 verhindert, noch Anschläge auf US-Botschaften und -Interessen in der ganzen Welt (US-Botschaften und Konsulate 2004 in Saudi-Arabien; Pakistan 2006; Türkei 2008; Pakistan 2010; Afghanistan 2011; Ägypten 2012, Türkei 2013; Afghanistan 2013).

Was den Export von Demokratie betrifft, so sagte Präsident Donald Trump selbst, dass er sich nicht um den Export von Demokratie kümmert und die Diktatoren liebt. Trump sprach durch die Erfahrung der von ihm geleiteten Administration über das Scheitern des Afghanistan- und Irak-Krieges, Demokratie zu exportieren, und dass Amerikas Kriege unter verschiedenen Namen den Vormarsch der Taliban zur Kontrolle mehrerer Städte trotz der Anwesenheit von 100.000 amerikanischen Soldaten im Land nicht verhindert haben. Darüber hinaus hat die US-Besetzung des Irak im Jahr 2003 das Aufkommen irakischer Gruppierungen nicht verhindert, die die US-Streitkräfte bekämpften und sie immer noch jagen, um sie aus dem Zweistromland zu vertreiben.

Was den Kampf gegen die Korruption angeht, so ist der Nahe Osten voll von politischen Parteien, Führern und Entscheidungsträgern, die von ihrem Volk der Korruption beschuldigt werden. Diese korrupten Politiker sind Washingtons älteste und engste Verbündete, die seinen Schutz und in einigen Fällen seine finanzielle Unterstützung genießen. Tatsächlich hat David Hale, der Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten, erklärt, dass sein Land zehn Milliarden Dollar für Parteien und Organisationen ausgegeben hat, die Amerikas Ziele im Libanon zur Eindämmung der Hisbollah nicht erreicht hätten.

Amerika war nicht in der Lage, irgendeinen bewaffneten Konflikt zu beenden, den es im Nahen Osten geführt hat. Im Krieg gegen ISIS haben die syrische Armee und ihre Verbündeten die Terrorgruppe in 70 Prozent der syrischen Gebiete bekämpft und besiegt. Im besetzten Nordosten Syriens hinderten die US-Streitkräfte die syrische Armee daran, den Euphrat zu überqueren, um ISIS zu verfolgen, und baten die syrischen Kurden, diese Aufgabe zu übernehmen, unterstützt von den US-Streitkräften in 23 Prozent des Gebiets. Die restlichen 7 Prozent sind immer noch unter türkischer Besatzung.

Im Irak haben die “Popular Mobilisation Forces” (PMF) und die irakische Armee und Bundespolizei ISIS bekämpft und besiegt und ein Drittel des Landes zurückgewonnen, das sie 2014 an die Terrorgruppe verloren hatten. Die US-Unterstützung war bei weitem nicht die treibende Kraft, sondern ein zusätzlicher Wert für sie. 

Durch die Besetzung des Irak und des Nordostens Syriens war Amerika nicht in der Lage, die Ausdehnung des Einflusses des Irans und der Hisbollah in Syrien zu verhindern, noch konnte es den Transit von militärischen Nachschubkonvois mit verschiedenen Arten fortschrittlicher Waffen stoppen, die zur “Achse des Widerstands” im Nahen Osten fließen. Folglich haben die US-Streitkräfte im Nahen Osten keine Abschreckung erreicht, sondern eher dazu beigetragen, den Hass auf ihre Truppen zu verstärken, und einen neuen, gut bewaffneten und ausgebildeten Widerstand hervorgebracht. Diese haben das Ziel, die US-Truppen aus dem Nahen Osten zu vertreiben.

Die USA sind nicht in der Lage, den Fortschritt des iranischen Atomprogramms zu stoppen, es sei denn, alle Sanktionen werden aufgehoben, und das geht nur durch die derzeitigen Verhandlungen in Wien. Nachdem der Iran die Ermächtigung erlangt hat, werden die im Nahen Osten stationierten US-Militärkräfte im Falle einer Gewaltanwendung gegen den Iran sicherlich teuer zu stehen kommen. 

In der Sorge um die Freiheit der Schifffahrt ist diese nur dann gesichert, wenn es keinen Krieg oder keine Feindschaft zwischen den USA und dem Iran gibt. Teheran verfügt über treffsichere Überschall-Anti-Schiffs-Raketen und bewaffnete und Selbstmorddrohnen. Darüber hinaus haben die USA begonnen, eine Alternative zu ihrer Schifffahrt in der Straße von Hormuz in Richtung Yanbu am Roten Meer zu finden, um der Reichweite der ballistischen Raketen des Iran zu entgehen. Auch haben alle ölreichen Länder, die an die Straße von Hormuz angrenzen, einen Weg gefunden, die Straße von Hormuz zu den Terminals am Roten Meer zu umgehen, um im Falle eines allgemeinen Krieges oder eines Tankerkrieges, wie in den vergangenen Jahren geschehen, Energieressourcen zu transferieren.

Was ist also der Sinn, Zehntausende von amerikanischen Truppen im Nahen Osten zu halten? Es ist nicht die signifikante physische Präsenz der militärischen Streitkräfte, die die Länder des Nahen Ostens daran hindert, Handelsbeziehungen mit China, Russland oder einem anderen Land als Amerika aufzubauen. Stattdessen ist die weiche und harte Diplomatie die am wenigsten kostspielige und effektivste Waffe. Wenn nötig, sind die USA in der Lage, die notwendigen Streitkräfte zu entsenden, wie sie es im Golfkrieg, in Afghanistan und bei der Besetzung des Irak getan haben.

Die militärische Präsenz im Nahen Osten ist für Washington zu einer Quelle der Besorgnis geworden und schadet der nationalen Sicherheit und den Interessen der USA mehr als sie nützt. Es wird erwartet, dass die Belästigung der US-Truppen im Irak eskalieren wird, und wir können nicht ausschließen, dass dasselbe Szenario irgendwann in der Zukunft auch in Syrien eintreten wird. Nichtsdestotrotz, was auch immer für Diskussionen auf irgendeiner Ebene unter den Entscheidungsträgern geführt werden, es scheint höchst unwahrscheinlich, dass wir einen baldigen Abzug der US-Truppen aus dem Nahen Osten erleben werden.

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