
Von Elijah J. Magnier
Während Israels Krieg gegen Gaza in den 20. Monat geht, wächst in Beirut, Tel Aviv und Washington die Sorge, dass bald eine neue Front im Libanon eröffnet werden könnte. Da die Gaza-Offensive zunehmend durch internationalen Aufruhr, innere Unruhen, ein mögliches temporäres Waffenstillstandsabkommen und die Grenzen militärischer Macht eingeschränkt wird, könnte Premierminister Benjamin Netanjahu nach einem neuen Schlachtfeld suchen – einem, das strategische Gewinne bietet und zugleich politischen Druck umlenkt. Unter Israels Nachbarn erscheint der Libanon als das plausibelste und ideologisch konsequenteste Ziel. Aber steht ein Krieg unmittelbar bevor – oder handelt es sich erneut um ein Kräftemessen in einem Jahrzehnte alten Konflikt?
Ein bröckelnder Waffenstillstand
Seit dem Krieg von 2006 wurde das fragile Gleichgewicht an der israelisch-libanesischen Grenze hauptsächlich durch die Abschreckungskraft der Hisbollah sowie durch die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrats aufrechterhalten. Diese verlangte die Beendigung der Feindseligkeiten, den Einsatz der libanesischen Streitkräfte (LAF) im Süden und den Rückzug der israelischen Armee aus libanesischem Territorium. Die Hisbollah zog sich nördlich des Litani-Flusses zurück, und die LAF übernahm deren Positionen – jedoch kam der Wiederaufbau nach dem verheerenden Krieg 2024 kaum voran.
Die Regierung von Premierminister Tammam Salam scheiterte daran, einen umfassenden Wiederaufbaufonds einzurichten, wie er auf dem arabischen Gipfel vorgeschlagen wurde – obwohl der Irak als erstes Land zig Millionen Dollar zugesagt hatte. Weite Teile Südlibanons, die südlichen Vororte Beiruts sowie die Bekaa-Ebene befinden sich weiterhin im Stillstand, ohne klare Perspektive auf Erholung. Dieses Versagen ist Ausdruck eines tiefergehenden Machtkampfes zwischen dem von den USA und Saudi-Arabien unterstützten Premierminister und der Hisbollah. Salams Beharren auf der Entwaffnung der Hisbollah – ohne Garantien für einen Wiederaufbau, einen israelischen Rückzug oder ein Ende der täglichen Verletzungen der libanesischen Souveränität – hat die politische Blockade nur verschärft.
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