Der Zusammenbruch der transatlantischen Ordnung: Das Ende der westlichen Hegemonie

Von Elijah J. Magnier –

Auf dem Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos hielten westliche Staats- und Regierungschefs Reden, die zusammengenommen einen historischen Bruch in der transatlantischen Ordnung markieren. Der kanadische Premierminister Mark Carney und der französische Präsident Emmanuel Macron äußerten sich innerhalb weniger Stunden nacheinander und formulierten damit eine implizite Erklärung zur Neupositionierung nach dem Ende der Hegemonie. Ihre Botschaften unterschieden sich zwar in Stil und nationaler Ausrichtung, kamen jedoch zu einer gemeinsamen Diagnose: Die regelbasierte Ordnung funktioniert nicht mehr, die westliche Ordnung ist zusammengebrochen, und die Vereinigten Staaten behandeln nun sogar ihre Verbündeten eher als Objekte der Zwangsausübung denn als Partner der Gegenseitigkeit. Der Westen erkennt endlich, dass er, wenn die Vereinigten Staaten ihn an den Tisch einladen, nicht als Partner, sondern als Menü betrachtet wird.

Es mag unrealistisch klingen, aber einige europäische Staats- und Regierungschefs zeigen derzeit ein Maß an strategischer Realitätsferne, das an institutionelle Verleugnung grenzt. Als Reaktion auf Donald Trumps explizite Drohung, Grönland mit Gewalt zu erobern, erklärte Friedrich Merz, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, auf dem Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos: „Deutschland wird Grönland um jeden Preis vor der Bedrohung durch Russland verteidigen.“

Hier handelt es sich nicht um einen Versprecher, keinen Transkriptionsfehler, keine Zweideutigkeit. Merz sagte nicht „die Vereinigten Staaten“. Er sagte „Russland“. In dem Moment, in dem der Chef der US-Exekutive offen eine militärische Aktion gegen dänisches Territorium ins Spiel bringt, formuliert der deutsche Bundeskanzler die Bedrohung öffentlich so um, als käme sie aus Moskau. Das ist nicht nur rhetorische Verwirrung. Es ist ein aufschlussreicher Akt kognitiver Dissonanz, der offenbart, wie tief Teile der europäischen politischen Klasse in einer Mentalität des Kalten Krieges verhaftet bleiben, selbst wenn sie mit einer direkten und beispiellosen Herausforderung durch ihren eigenen vermeintlichen Verbündeten konfrontiert sind.

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