Hat der Iran seine Raketen und Drohnen aufgebraucht? Argumente für strategische Einsparungen und Zermürbung

Von Elijah J. Magnier

Der Iran verfügt über eine große heimische Raketenindustrie, die in der Lage ist, ballistische Raketen und Drohnen in großem Umfang herzustellen. In langwierigen Konflikten ist die entscheidende Frage nicht nur, wie viele Raketen auf Lager sind, sondern auch, wie schnell sie durch die heimische Produktion wieder aufgefüllt werden können. Während US-Präsident Donald Trump offenbar bestrebt ist, den Krieg zu beenden, bevor er für Washington und seine Partner am Golf größere militärische, finanzielle und strategische Kosten verursacht, scheint Israel darauf bedacht zu sein, den Iran sowohl wirtschaftlich als auch militärisch zu schwächen. Teheran seinerseits könnte einen Vorteil darin sehen, den Konflikt in die Länge zu ziehen.

Die wiederkehrende Behauptung, dass dem Iran die Raketen und Drohnen ausgehen, sollte mit Vorsicht behandelt werden. Eine Verringerung des Abschusstempos deutet nicht unbedingt auf eine verminderte Leistungsfähigkeit hin. In der Raketenkriegsführung kann ein geringeres Tempo eine bewusste strategische Veränderung widerspiegeln. Nach einer Anfangsphase mit schweren Salven, die darauf abzielen, den Gegner zu schockieren, Absichten zu signalisieren und seine Verteidigung zu testen, kann eine Raketenstreitmacht einen gemäßigteren Rhythmus annehmen, um Vorräte zu schonen, die Zielgenauigkeit zu verbessern und den Druck über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. In diesem Zusammenhang ist Sparsamkeit nicht unbedingt eine Schwäche, sondern kann Teil eines operativen Konzepts sein, das darauf abzielt, den Konflikt zu verlängern und den Verteidiger zu erschöpfen. 

Raketenkriege werden nicht nur durch das Feueraufkommen in der Anfangsphase bestimmt, sondern auch durch das Tempo. Eine Streitmacht, die zu schnell zu viel abschießt, kann zwar eine unmittelbare Wirkung erzielen, läuft jedoch Gefahr, ihre Vorräte vorzeitig zu erschöpfen. Eine Verlangsamung des Tempos nach dem ersten Beschuss kann stattdessen einem kalkulierten Zweck dienen: den Verteidiger in ständiger Alarmbereitschaft zu halten und gleichzeitig die Fähigkeit zu bewahren, über einen längeren Zeitraum weiter zuzuschlagen. Ein verlangsamtes Tempo ermöglicht auch die Bewertung der Kampfschäden und die Aktualisierung der Informationen zwischen den Angriffswellen, wodurch nachfolgende Angriffe selektiver und potenziell effektiver werden.

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