Das Abkommen, das die Hisbollah nie unterzeichnet hat – Der Libanon neu definiert, der Konflikt neu betrachtet (Teil I/3)

Von Elijah J. Magnier –

Die am 3. Juni 2026 von den Vereinigten Staaten, Israel und dem Libanon veröffentlichte gemeinsame Erklärung wurde weithin als Waffenstillstandsvereinbarung dargestellt, die darauf abzielt, Spannungen abzubauen und die Voraussetzungen für eine stabilere Zukunft zu schaffen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese Interpretation unvollständig ist. Das Dokument ist weder ein traditioneller Waffenstillstand noch ein detaillierter Friedensvertrag. Vielmehr handelt es sich um einen politisch-sicherheitspolitischen Rahmen, der darauf abzielt, die Beziehungen zwischen dem Libanon, Israel, der Hisbollah und dem libanesischen Staat selbst neu zu definieren. Seine Bedeutung reicht daher weit über eine militärische Deeskalation entlang der Grenze hinaus.

Aus der Sicht Jerusalems ist der durch das Abkommen gewahrte Handlungsspielraum enorm. Es gibt keinen Zeitplan für einen israelischen Rückzug, keine nennenswerten Einschränkungen für israelische Geheimdienstaktivitäten, Überflüge oder gezielte Operationen, sofern diese als Maßnahmen zur Verhinderung eines Wiederauflebens der Hisbollah dargestellt werden können, und Israel bekräftigt ausdrücklich, dass seine Sicherheit die Entwaffnung der Hisbollah und die Zerschlagung ihrer Infrastruktur im gesamten Libanon erfordert – eine Formulierung, die weitaus stärker und operativer ist als die Verpflichtungen des Libanon selbst. Dies gibt Israel einen auf Verstößen basierenden „Reset-Knopf“, der diplomatisch leichter zu betätigen ist als ein reiner Selbstverteidigungsanspruch. Es ist unwahrscheinlich, dass die Hisbollah und der Iran sich im Wesentlichen daran halten werden; ihre wahrscheinliche Reaktion wird eine stille Aufrüstung unter ziviler Tarnung, politische Kriegsführung innerhalb des Libanon und eine Strategie des Abwartens sein, bis sich die innenpolitische Lage in den USA oder Israel verändert. Der Abnutzungskrieg begünstigt den Geduldigen. Das Abkommen ist daher für Israel in diplomatischer und narrativer Hinsicht insgesamt positiv: Es verschafft Zeit, legitimiert Druck, isoliert die Hisbollah und schafft einen flexiblen Durchsetzungsrahmen. Doch allein ist es nicht transformativ.

Der Rahmen verteilt zudem die diplomatische Autorität neu. Washington wird zum alleinigen Verwalter der Angelegenheit, während der Iran ausdrücklich aus dem Verhandlungsrahmen verdrängt wird, der Hisbollah die politische Stellung als unabhängiger Verhandlungspartner verwehrt wird, Frankreich trotz seiner historischen Rolle im Libanon an den Rand gedrängt wird und die Vereinten Nationen in den Hintergrund treten. Dies ist keine multilaterale Einigung. Es handelt sich um eine von den USA geführte Struktur, die darauf abzielt, israelische Sicherheitsanforderungen in Verpflichtungen des libanesischen Staates umzuwandeln.

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