Der Libanon nach der Hisbollah? Die Souveränitätslücke in Präsident Aouns Vision

Von Elijah J. Magnier –

Präsident Joseph Aoun hat sich zunehmend als Verfechter einer neuen politischen Vision für den Libanon positioniert: ein souveräner Staat, frei von ausländischer Einmischung, unter einer einzigen Autorität regiert, befreit von regionalen Stellvertreterkriegen und in der Lage, seinen Bürgern nach Jahrzehnten des Krieges Stabilität zu bieten. Nur wenige Libanesen würden diese Bestrebungen ablehnen. Nach Jahren des wirtschaftlichen Zusammenbruchs, politischer Lähmung, regionaler Konfrontationen und wiederholter Kriege bleibt das Versprechen eines normalen Staates äußerst attraktiv.

Doch hinter der Anziehungskraft dieser Vision verbirgt sich eine Reihe von Widersprüchen, die die außerordentliche Schwierigkeit offenbaren, sie in die Realität umzusetzen. Aouns Reden und öffentliche Äußerungen benennen viele der Probleme des Libanon mit beträchtlicher Klarheit. Die unabhängige militärische Struktur der Hisbollah, der iranische Einfluss, ausländische Einmischung, die wiederkehrende Verwüstung durch Kriege und die Schwäche staatlicher Institutionen werden allesamt als Hindernisse für den Wiederaufbau des Libanon dargestellt. Weitaus weniger klar ist jedoch, wie der Libanon diese Realitäten überwinden will, ohne dabei neue Schwachstellen zu schaffen. Die zentrale Schwäche im aktuellen Diskurs liegt nicht in der Diagnose. Es ist das Fehlen einer überzeugenden Antwort auf eine einfache Frage: Was kommt nach der Hisbollah?

Diese Frage steht im Mittelpunkt jeder Debatte über die Zukunft des Libanon. Aouns Argumentation beruht implizit auf der Annahme, dass die Auflösung oder Marginalisierung der militärischen Rolle der Hisbollah die Voraussetzungen für einen stabileren und souveränen Staat schaffen würde. Doch die Mechanismen, durch die ein solcher Übergang erfolgen würde, bleiben weitgehend undefiniert.

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