
Von Elijah J. Magnier –
Europa beendet das Jahr 2025 mit einer strukturellen Wirtschaftskrise, die schwerwiegender ist als alle anderen, denen es seit dem Ende des Kalten Krieges ausgesetzt war. Auf dem Gipfeltreffen im Dezember einigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU darauf, der Ukraine für die Jahre 2026–27 Kredite in Höhe von 90 Milliarden Euro zu gewähren, obwohl Kiew nach wie vor eine vom Krieg zerstörte Wirtschaft hat, die mit einem Haushaltsdefizit von über 20 Prozent des BIP belastet ist und keinen glaubwürdigen Zeitplan für die Erholung vorweisen kann. Diese Zusage ist keine einmalige Geste, sondern eine unbefristete finanzielle Verpflichtung gegenüber einem Staat, der noch jahrelang auf externe Unterstützung angewiesen sein wird. In einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Grundlagen Europas selbst schwächer werden, verdeutlicht diese Entscheidung einen tieferen Trend: Der Kontinent übernimmt Verbindlichkeiten, die er nicht mehr ohne Weiteres finanzieren kann.
Diese wachsende finanzielle Belastung kommt zu dem Energieschock hinzu, der nach der abrupten Umstellung von russischem Pipelinegas auf teures Flüssigerdgas (LNG) nach 2022 eingetreten ist. Die europäische Industrie zahlt heute zwei- bis viermal so viel für Gas wie ihre US-amerikanischen Konkurrenten. Diese Divergenz hat zu einem anhaltenden Rückgang in den Bereichen Chemie, Düngemittel, Metalle, Papier und anderen energieintensiven Sektoren geführt. Gleichzeitig signalisiert die zeitweise Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar einen strukturellen Wandel: Die Märkte betrachten Europa zunehmend als eine Region mit geringem Wachstum, die durch hohe Energiekosten, starre Regulierung und geopolitische Verbindlichkeiten belastet ist.
Der soziale und politische Druck nimmt zu. Landwirte auf dem gesamten Kontinent – von Polen, Frankreich, Belgien und Deutschland bis hin zu Spanien und Portugal – mobilisieren weiterhin gegen ein Regulierungssystem, das europäischen Produzenten strenge Umwelt- und Pflanzenschutzstandards auferlegt, während Agrarimporte aus der Ukraine und Lateinamerika nach laxeren Regeln zugelassen werden. Diese regulatorische Asymmetrie hat die Einkommen im ländlichen Raum geschmälert, regionale Ungleichheiten vertieft und ein allgemeines strukturelles Ungleichgewicht zwischen den politischen Ambitionen Europas und seinen Wettbewerbsbeschränkungen offenbart.
Insgesamt – angesichts der zunehmenden langfristigen Abhängigkeit von der Ukraine, der strukturellen Benachteiligung im Energiebereich, der Währungsinstabilität und der zunehmenden internen Protestbewegungen – ähnelt Europa zunehmend dem, was einige Politiker als den „kranken alten Mann“ der Weltwirtschaft bezeichnen: alternd, finanziell überfordert, strategisch gespalten und strukturell unvorbereitet auf die systemische Rivalität, die derzeit die internationale Ordnung prägt.
Vor diesem größeren Hintergrund lässt sich die tiefere Notlage Europas – die Schwerkraftfalle zwischen der strategischen Ablehnung durch die USA und der industriellen Dominanz Chinas – verstehen.
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