
Von Elijah J. Magnier –
Die jüngsten Entwicklungen rund um den Krieg im Libanon haben eine Realität offenbart, die viele in Israel zunehmend nur ungern anerkennen wollen: Der Konflikt erweist sich als weitaus komplizierter als die von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versprochene schnelle Militäraktion. Noch bedeutender ist, dass die jüngsten Ereignisse gezeigt haben, dass die endgültigen Entscheidungen über Eskalation und Deeskalation möglicherweise nicht mehr allein in Tel Aviv liegen, sondern zunehmend in Washington, wo die Vereinigten Staaten die entscheidende Fähigkeit behalten, den militärischen Ambitionen Israels Grenzen zu setzen, wann immer umfassendere strategische Interessen der USA auf dem Spiel stehen. Der Schock, der auf Berichte über eine direkte amerikanische Intervention zur Verhinderung der geplanten israelischen Eskalation gegen Beirut folgte, beschränkte sich daher nicht auf den Libanon oder die weitere Region. Er hallte in ganz Israel selbst nach, wo Regierungsvertreter monatelang Zuversicht verbreitet hatten, dass militärischer Druck die Hisbollah letztendlich in die Knie zwingen, eine neue Sicherheitslage an der Nordgrenze schaffen und die israelische Abschreckung nach dem Trauma vom Oktober 2023 wiederherstellen würde. Doch das sich abzeichnende Bild deutet darauf hin, dass sich weder die militärischen Realitäten noch die diplomatischen Entwicklungen gemäß diesen Erwartungen entwickeln.
Was immer deutlicher wird, ist, dass der Libanon nicht Gaza ist. Die Unterschiede sind grundlegend. Gaza ist geografisch isoliert, wirtschaftlich abhängig und von der militärischen Überlegenheit Israels umgeben, während der Libanon ein völlig anderes strategisches Umfeld bietet. Die Hisbollah ist nach wie vor tief in das politische, soziale und militärische Gefüge des Libanon eingebettet und stellt, was noch wichtiger ist, einen zentralen Bestandteil der regionalen Sicherheitsarchitektur des Iran dar. Jeder Versuch, das strategische Gleichgewicht im Libanon neu zu gestalten, ist daher unendlich viel komplizierter als Operationen in Gaza, und dieser Unterschied spiegelt sich nun mit wachsender Offenheit auch in den israelischen Medien selbst wider.
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