
Von Elijah J. Magnier –
Nach einem vernichtenden Konflikt, der weitreichende Zerstörungen verursachte, aber weder die Struktur der Hisbollah auflöste noch ihre Führung und ihr Waffenarsenal beseitigte, befindet sich die Gruppe nun in einer Phase der Neukalibrierung. Sie reorganisiert sich zwangsläufig, reformiert ihre Führung und rüstet neu auf – und zieht damit wichtige Lehren aus dem Krieg, um ihre Position anzupassen und zu stärken. Diese Neuaufstellung ist nicht nur ein Zeichen des Überlebens, sondern auch ein Signal für eine langfristige strategische Planung als Reaktion auf den militärischen und politischen Druck.
Gleichzeitig sind die offiziellen Institutionen des Libanon – die Regierung und die Armee – beim Schutz der Souveränität des Landes nach wie vor weitgehend unwirksam. In den vergangenen fünf Monaten, seit der letzten Waffenruhe, hat Israel Berichten zufolge tausende Male gegen die Vereinbarung verstoßen und dabei Dutzende libanesische Zivilisten und unbewaffnete Hisbollah-Aktivisten getötet, ohne dass dies irgendwelche Konsequenzen gehabt hätte. Den libanesischen Streitkräften fehlen sowohl die operativen Kapazitäten als auch das politische Mandat, um israelische Überflüge, Übergriffe oder expansionistische Aktionen zu verhindern. Sie waren auch nicht in der Lage, die Vereinigten Staaten unter Druck zu setzen, um Israel zum Rückzug aus den seit langem besetzten libanesischen Gebieten und den neu eingerichteten Pufferzonen im Südlibanon zu zwingen. Diese wiederholten Verstöße haben die Hisbollah nur in ihrer Position bestärkt, dass ihre bewaffnete Präsenz nicht nur legitim, sondern unverzichtbar ist – und dass sie nicht Gegenstand von Verhandlungen oder einer Übergabe an nationale Institutionen ist. Tatsächlich wurden Waffen, die zuvor von der libanesischen Armee südlich des Litani-Flusses beschlagnahmt worden waren, vernichtet, Berichten zufolge auf Ersuchen des US-Militärs, das eine zentrale Rolle bei der Überwachung dessen spielt, was eigentlich die Umsetzung des Waffenstillstands, den Rückzug Israels und die Entwaffnung der Hisbollah in diesem Gebiet sein sollte.
Vor diesem Hintergrund hielt der stellvertretende Generalsekretär der Hisbollah, Scheich Naim Qassem, eine Rede, die den Kern der umstrittensten nationalen Debatte im Libanon trifft, indem er die Kernposition der Gruppe bekräftigte: Der Widerstand wird nicht entwaffnet, und seine Waffen stehen nicht zur Disposition. Qassems Äußerungen waren eine direkte Antwort auf die zunehmenden politischen und internationalen Forderungen nach einer Entwaffnung der Hisbollah, die zu ihrer vollständigen Auflösung führen würde. Doch sein Ton war nicht nur trotzig, sondern auch strategisch.
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